Wir erhielten den ersten Brief an die von Herrn Katsutaka Idogawa, ehemaliger Bürgermeister von Futaba-Cho, wo Fukushima Daiichi Atomkraftwerken entfernt.


Aktuelle Situation in Fukushima                 07.2014  Katsutaka Idogawa

Drei Jahre und vier Monate sind vergangen, seit das Unglück geschah. Ich berichte nun, was sich in Fukushima verändert hat und wie die Situation heute aussieht. Die japanische Regierung und die Präfektur-Behörde bemühen sich, die Aufmerksamkeit der Bewohner eher auf finanzielle Aspekte zu leiten, um von den Einflüssen der Strahlenkatastrophe auf das menschliche Leben abzuweichen. Die Massenmedien tragen dabei auch beträchtlich dazu bei, um die Blickrichtung der Betroffenen von der Angst vor der Strahlenbelastung abzulenken. So wird in Fukushima über Gesundheitsprobleme durch die Strahlungsexposition nicht öffentlich gesprochen. Aber bereits bei fünfzig Kindern wurde Schilddrüsenkrebs bestätigt, 49 davon Papillärer Schilddrüsenkrebs. Zum Vergleich: Normalerweise 1 bis 2 Kinder auf 1 Million erkranken an Schilddrüsenkrebs, in Tschernobyl 1 auf 10‘000 und in Fukushima 1 auf 6000.

 

Trotzdem wollen die Behörde und die Regierung keinen Zusammenhang mit der Strahlenbelastung sehen. Es ist unverständlich, für wen sie lügen müssen. Diese unlogische Erklärung wird aber allmählich von der Bevölkerung nicht mehr akzeptiert. Denn Tatsachen beweisen, dass es eine Lüge ist.

 

Ich trat im Comic „Oishinbô (Gourmand)“ auf und erzählte über das Nasenbluten, das ich nach dem Atomunfall gehabt hatte. Am schnellsten darauf reagierten die Behörde und die Regierung, die den Zusammenhang zwischen der Strahlenbelastung und gesundheitlichen Problemen schon immer bestritten hatten. Sogar der Premierminister Abe meldete sich zu Wort und dementierte es.

 

Ich hatte mich jedoch vorher bereits an die Gruppe von Professor Tsuda an der Uni Okayama gewandt, um eine epidemiologische Untersuchung zu beauftragen. In einem Zwischenbericht war eine tatsächliche Anzahl von Menschen mit Nasenbluten zu sehen. Ich erzählte im Comic von diesen Resultaten und dass ich Nasenblut hatte. Diese Tatsache kann von niemandem bestritten werden. Auch mein Menschenrecht kann niemand angreifen. Die Regierung und die Behörde haben sich schliesslich dadurch öffentlich blossgestellt, dass sie sich ohne Nachprüfung leichtsinnig geäussert haben. Sie haben damit einen schlafenden Hund geweckt!

 

Neben dem Nasenbluten hört man in der Präfektur Fukushima auch oft von Fällen mit verkrusteter Nasenhöhle, Müdigkeit, Störung im Auge, Störung im Magen und Darm und Heiserkeit. Im Todesanzeiger kommen immer mehr jüngere Menschen vor, die unerwartet früh erkrankt und gestorben sind. Viele Menschen sterben auch an Herzinfarkt. Es gibt ausserdem Kinder, die mit Aktivitäten in Sportclubs aufgehört haben, weil das Sporttreiben im Freien sie viel zu müde macht. Ich selber habe Zysten und Knoten in der Schilddrüse und stehe unter Beobachtung.